Was tun mit 15.000 €, wenn man langfristig in Aktien investieren möchte, aber das Risiko eines ungünstigen Einstiegszeitpunkts reduzieren will?
Eine klassische Möglichkeit ist die Einmalanlage: Die gesamten 15.000 € werden sofort in einen Aktien-ETF investiert. Das Problem: Niemand weiß, ob der aktuelle Börsenkurs gerade günstig oder teuer ist. Eine andere Möglichkeit ist ein schrittweiser Einstieg über einen ETF-Sparplan. Dabei wird das Kapital über mehrere Jahre verteilt investiert. Allerdings liegt ein großer Teil des Geldes während dieser Zeit außerhalb des Aktienmarktes. Es gibt noch eine dritte Möglichkeit, die beide Aspekte miteinander verbinden kann:
Die 15.000 € werden für fünf Jahre zu 4 % verliehen. Die monatlichen Rückzahlungen inklusive Zinsen werden anschließend bzw. laufend in einen Aktien-ETF investiert.
Damit entsteht ein verzinster Kapitalrückfluss, der gleichzeitig als ETF-Sparplan funktioniert.
In diesem Artikel rechnen wir das Modell anhand von 15.000 €, 4 % Darlehenszins, fünf Jahren Laufzeit und dem VanEck Morningstar Developed Markets Dividend Leaders UCITS ETF durch.
Warum eine Einmalanlage von 15.000 € ein Timing-Risiko besitzt
Eine Einmalanlage hat zunächst einen großen Vorteil. Das gesamte Kapital ist sofort investiert. Steigt der Aktienmarkt anschließend, profitiert das komplette Kapital von der Wertentwicklung. Doch genau das kann zum Problem werden, wenn der Einstieg unmittelbar vor einer größeren Korrektur erfolgt.
Beispiel
Du investierst 15.000 €. Direkt danach fällt der Aktienmarkt um 20 %. Dann beträgt der Depotwert zunächst nur noch 12.000 €. Der Buchverlust beträgt 3.000 €. Bei einem Rückgang von 30 % wären es bereits 4.500 € Buchverlust. Das bedeutet nicht, dass die Einmalanlage grundsätzlich schlecht ist. Im Gegenteil: Wenn die Kurse anschließend steigen, kann die vollständige Investition von Anfang an einen Vorteil darstellen. Das Problem ist vielmehr der unbekannte Einstiegszeitpunkt.
Cost-Average-Effekt: Das Kapital schrittweise investieren
Eine Möglichkeit, dieses Timing-Risiko zu reduzieren, ist der sogenannte Cost-Average-Ansatz. Statt 15.000 € sofort zu investieren, könnte man beispielsweise fünf Jahre lang monatlich investieren.
Bei einer gleichmäßigen Verteilung wären das: 15.000 € ÷ 60 Monate = 250 € pro Monat
Damit kauft man bei unterschiedlichen Börsenkursen. Bei hohen Kursen werden weniger ETF-Anteile gekauft. Bei niedrigen Kursen werden mehr ETF-Anteile gekauft. Das kann den Einfluss eines einzelnen ungünstigen Einstiegszeitpunkts reduzieren. Allerdings hat diese Strategie einen Nachteil. Das noch nicht investierte Kapital erwirtschaftet möglicherweise keine Aktienrendite. Und genau hier kommt das Zinsmodell ins Spiel.
Die Alternative: 15.000 € zu 4 % verleihen
Statt die 15.000 € fünf Jahre lang unverzinst auf dem Konto zu halten, werden sie in unserem Beispiel zu 4 % p.a. verliehen. Der Darlehensnehmer zahlt das Darlehen monatlich zurück.
Die Eckdaten
- Darlehensbetrag: 15.000 €
- Zinssatz: 4 % p.a.
- Laufzeit: 5 Jahre
- Rückzahlung: monatlich
- monatliche Rate: ca. 276,25 €
- Anzahl der Raten: 60
- gesamte Rückzahlung: ca. 16.575 €
- Zinseinnahmen: ca. 1.575 €
Die 15.000 € kommen also nicht erst nach fünf Jahren zurück. Stattdessen entsteht ab dem ersten Monat ein regelmäßiger Kapitalstrom.
Aus dem Darlehen wird ein ETF-Sparplan
Jetzt kommt der entscheidende Schritt. Die monatliche Rückzahlung von rund 276 € wird nicht konsumiert und auch nicht auf dem Girokonto gesammelt. Sie wird direkt in den ETF investiert. Die monatliche ETF-Rate ist mit rund 276 € sogar höher als bei einer einfachen Verteilung der 15.000 € über fünf Jahre. Denn bei einem normalen Sparplan wären es nur 250 €. Die zusätzlichen rund 26 € monatlich stammen aus den Darlehenszinsen.
Welcher ETF kommt für das Modell infrage?
Als Rechenbeispiel verwenden wir den VanEck Morningstar Developed Markets Dividend Leaders UCITS ETF (TDIV).
Der ETF investiert in dividendenstarke Unternehmen aus entwickelten Märkten weltweit. VanEck nennt aktuell eine Gesamtkostenquote von 0,38 %. Der ETF ist ausschüttend und zahlt die Erträge vierteljährlich aus. Ein Dividenden-ETF ist kein Sicherheitsprodukt. Auch der TDIV unterliegt dem Aktienmarktrisiko und Fremdwährungsrisiken. Die Dividenden sind nicht garantiert und können gekürzt werden. Die Wahl des TDIV dient in diesem Artikel deshalb lediglich als konkretes Beispiel.
Was könnte aus 15.000 € werden?
Jetzt wird es interessant. Wir betrachten drei unterschiedliche Szenarien:
- 8 % ETF-Rendite p.a.
- 10 % ETF-Rendite p.a.
- 12 % ETF-Rendite p.a.
Diese Werte sind keine Prognosen. Sie dienen ausschließlich dazu, die Funktionsweise des Modells zu verdeutlichen. Die monatlichen 276,25 € werden jeweils direkt investiert. Nach 60 Monaten ist das Darlehen vollständig zurückgezahlt. Das ETF-Vermögen könnte dann ungefähr folgende Größenordnung erreichen:
| angenommene ETF-Rendite | ETF-Vermögen nach 5 Jahren |
| 8 % p.a. | ca. 20.300 € |
| 10 % p.a. | ca. 21.450 € |
| 12 % p.a. | ca. 22.560 € |
Damit wäre das ursprüngliche Kapital von 15.000 € im 10%-Szenario bereits auf rund 21.450 € angewachsen.
Der entscheidende Punkt: Was passiert nach fünf Jahren?
Nach fünf Jahren ist das Darlehen vollständig zurückgezahlt. Die monatlichen Rückzahlungen hören auf. Aber das ETF-Vermögen bleibt investiert. Und jetzt beginnt der Zinseszinseffekt besonders deutlich zu wirken. Wir lassen das ETF-Depot weitere fünf Jahre unangetastet. Damit betrachten wir insgesamt einen Zeitraum von 10 Jahren.
Ergebnis nach zehn Jahren
| ETF-Rendite | Wert nach 5 Jahren | Wert nach 10 Jahren |
| 8 % p.a. | ca. 20.300 € | ca. 30.200 € |
| 10 % p.a. | ca. 21.450 € | ca. 35.300 € |
| 12 % p.a. | ca. 22.560 € | ca. 41.000 € |
Aus den ursprünglichen 15.000 €würden bei einer angenommenen durchschnittlichen ETF-Rendite von 10 % nach zehn Jahren ungefähr 35.300 € werden. Der Vermögenszuwachs gegenüber den ursprünglichen 15.000 € läge damit bei rund 20.300 €
Welche Gesamtrendite ergibt sich?
Die ETF-Rendite und die Rendite des gesamten Modells sind nämlich nicht dasselbe. Warum? Weil die 15.000 € nicht zehn Jahre lang vollständig im ETF investiert sind. Das Kapital wird erst über fünf Jahre schrittweise in den Aktienmarkt gebracht. Deshalb liegt die effektive Rendite auf das ursprüngliche Kapital unter der angenommenen ETF-Rendite.
Effektive Rendite über zehn Jahre
| ETF-Annahme | Endvermögen nach 10 Jahren | effektive Rendite p.a. |
| 8 % | ca. 30.200 € | ca. 7,3 % |
| 10 % | ca. 35.300 € | ca. 8,9 % |
| 12 % | ca. 41.000 € | ca. 10,6 % |
Das bedeutet:
Bei einer angenommenen ETF-Rendite von 10 % p.a. erzielt die gesamte Strategie in unserem Modell ungefähr 8,9 % Rendite pro Jahr auf das ursprünglich eingesetzte Kapital.
Was passiert bei einem Börsencrash?
Nehmen wir an, der Aktienmarkt fällt im zweiten Jahr um 25 %. Bei einer Einmalanlage wären zu diesem Zeitpunkt bereits die kompletten 15.000 € investiert. Bei unserem Modell befindet sich zu diesem Zeitpunkt nur ein Teil des Kapitals im ETF. Gleichzeitig fließen weiterhin monatlich rund 276 € in den Markt. Wenn die Kurse niedriger sind, können damit mehr ETF-Anteile gekauft werden. Das kann das Timing-Risiko reduzieren. Aber, es verhindert keinen Verlust. Auch bei einem schrittweisen Einstieg kann der ETF erheblich fallen.
Was passiert, wenn die Börse fünf Jahre lang steigt?
Hier liegt die Schwäche des Modells. Wenn Aktien während der gesamten fünf Jahre kontinuierlich steigen, ist eine sofortige Einmalanlage wahrscheinlich im Vorteil. Denn dort sind die gesamten 15.000 € bereits vom ersten Tag an investiert. Bei unserer Strategie befindet sich ein großer Teil des Geldes zunächst im Darlehen. Das Modell ist daher nicht dazu gedacht, die maximale Rendite in einem permanent steigenden Aktienmarkt zu erzielen. Es soll vielmehr das Risiko eines ungünstigen Einstiegszeitpunkts reduzieren.
Ein wichtiger Unterschied: Darlehensrisiko statt Börsenrisiko
Das Timing-Risiko wird durch die Strategie nicht einfach beseitigt. Es wird teilweise gegen ein anderes Risiko ausgetauscht. Und zwar gegen das Darlehens- bzw. Ausfallrisiko. Wenn der Darlehensnehmer seine Raten nicht bezahlt, funktioniert die geplante monatliche ETF-Investition möglicherweise nicht mehr wie vorgesehen. Deshalb ist ein privates Darlehen keinesfalls mit einem Tagesgeldkonto gleichzusetzen. Vor einer solchen Gestaltung sollten insbesondere geprüft werden:
- Bonität des Darlehensnehmers
- Höhe und Art möglicher Sicherheiten
- schriftlicher Darlehensvertrag
- Rückzahlungsplan
- Regelungen bei Zahlungsverzug
- steuerliche Behandlung der Zinsen
Die 4 % sind also keine risikolose Rendite.
Einmalanlage oder Zinsmodell?
Die beiden Strategien verfolgen unterschiedliche Ziele.
| Einmalanlage | Zinsmodell | |
| Startkapital | 15.000 € | 15.000 € |
| ETF-Investment | sofort | über 5 Jahre |
| Timing-Risiko | höher | reduziert |
| Kapital sofort am Aktienmarkt | 100 % | schrittweise |
| zusätzliche Zinseinnahmen | nein | ca. 1.575 € |
| Kreditrisiko | nein | ja |
| Vorteil bei stark steigender Börse | höher | geringer |
| Zinseszinseffekt | sofort | ab den jeweiligen Investitionen |
Damit wird deutlich:
Das Zinsmodell ist keine grundsätzlich bessere Alternative zur Einmalanlage. Es ist eine andere Form, mit dem Einstiegsrisiko umzugehen.
Fazit: 15.000 € clever über mehrere Jahre investieren
Eine größere Summe sofort in Aktien zu investieren, kann langfristig eine hohe Renditechance bieten. Gleichzeitig besteht das Risiko, unmittelbar vor einer größeren Korrektur einzusteigen.
Das Zinsmodell verfolgt einen anderen Ansatz, 15.000 € werden fünf Jahre zu 4 % verliehen.
Die monatlichen Rückzahlungen von rund 276 € werden direkt in einen Aktien-ETF investiert.
Dadurch entsteht ein schrittweiser Einstieg in den Aktienmarkt, während das ursprüngliche Kapital während der Darlehenslaufzeit Zinsen erwirtschaftet. Bei einer angenommenen ETF-Rendite von 10 % könnte das Modell nach zehn Jahren aus den ursprünglichen 15.000 € ein Vermögen von rund 35.300 € machen. Die daraus resultierende effektive Rendite läge bei etwa 8,9 % p.a. Das ist allerdings eine Modellrechnung und keine Renditegarantie. Die tatsächliche Rendite kann erheblich niedriger oder höher ausfallen. Der entscheidende Gedanke hinter der Strategie ist deshalb nicht. „So schlage ich den Aktienmarkt.“ Sondern, „So kann ich eine größere Summe verzinst in einen mehrjährigen ETF-Investitionsplan umwandeln und gleichzeitig das Risiko eines einzigen Einstiegszeitpunkts reduzieren.“
Für Anleger, die bei einer großen Einmalanlage ein ungutes Gefühl haben, kann dieses Konzept daher eine interessante Alternative zum klassischen Sparplan sein.
Wichtig: Das Beispiel berücksichtigt zunächst keine persönliche Steuerbelastung, Kosten des Darlehens, ETF-Transaktionskosten oder mögliche Ausfälle des Darlehensnehmers. Auch die angenommenen 8 %, 10 % und 12 % ETF-Rendite sind reine Szenarien. Der VanEck ETF selbst kann Verluste erleiden. VanEck weist ausdrücklich auf Aktienmarkt- und Fremdwährungsrisiken hin. Allerdings ist dieser Dividenden-ETF einer der Besten die ich kenne, da der Investmentansatz regelbasiert ist. Ich selbst investiere meinen „Notgroschen“ in disen ETF